Samstag, 17. Mai 2008

burma (part I)

burma.
klingt mindestens so faszinierend und abenteuerlich wie sumatra, borneo oder auch sulawesi. ein bislang weisser fleck auf unserer landkarte, etwas koloriert durch vorgaengig vernommene und gelesene geschichten und artikel ueber land und vorallem leute. es sei nicht ganz einfach zu bereisen, das land, wegen der schlecht unterhaltenen strassen und verkehrsmittel oder ganz allgemein, weil die armut gross und der lebensstandard sehr bescheiden. auch sei die kommunikation nach aussen hin schwierig, das internet langsam und ein anruf nach europa koste ein halbes vermoegen (fuer uns, wohl ein ganzes fuer einen burmesen). und ausserdem, nicht zu vergessen, lasse zuweilen auch das militaer seine muskeln spielen und den gemeinen touristen in seine schranken weisen.

doch es kommt alles anders, vorerst.
wir sind im landeanflug auf ranguns internationalen flughafen, sehen dabei fluesse, strassen und haeuser, autos und schiffe. wie es sich gehoert, eben. der flughafen ist klotzig, waere gerne prunkvoll, doch er erziehlt damit und mit den klimatisierten und auf hochglanz geputzten empfangshallen den gewuenschten effekt. wir scheinen in einem reichen und entwickelten land zu landen und sind schon fast ein wenig enttaeuscht. die immigration dame empfaengt uns mit einem laecheln und kein rucksack wird auf laptops, kameras und spionagegeraete hin kontrolliert; das gepaeckband dreht seine kreise, wir schnappen uns die taschen und da stehen wir nun. im land der birmanen. und weiteren 150 ethnien.
dass der flughafen nicht den standard des landes, sondern vielmehr letzteren komensieren soll, wird uns dann jedoch schon bald vor augen gefuehrt. bereits einige kilometer ausserhalb ranguns werden die haeuser vornehmlich aus holz gebaut und mit blech oder, noch etwas weiter von der hauptstadt entfernt, mit schilf gedeckt. waehrend die maenner traditionellerweise roecke, sogenannte longis, tragen und dieser tradition auch in den 'modernen' staedten nachkommen, schminken sich die damen mit dem pulver einer getrockneten und zerriebenen baumrinde. die bemalungen erinnern an bruno manser zu seinen besten zeiten und sollen die haut vor der sonne schuetzen und natuerlich jung halten. erstaunlicherweise haben die burmesinnen tatsaechlich durchwegs gute und straffe haut, auch in hoeherem alter. vichy und nivea haben also noch potential, auch gut.

bei der einreise haben wir von ein paar expats vernommen, dass burma neben all den kulturellen staetten auch wunderschoene straende zu bieten hat. wir, die kulturell etwas, ahm, verwoehnten, lassen diese worte auf uns wirken, jeder fuer sich und ohne dem gegenueber etwas anmerken zu lassen, versteht sich. man will den ueberdruss an tempeln, pagoden und sonstigen sehenswuerdigkeiten ja nicht grad an die grosse glocke haengen, doch bei der reiseplanung dann kommte es geschwind zu tage. und auch die frage nach dem 'am anfang oder am schluss?' klaeren wir binnen sekunden. wir wollen ihn, den langen weissen strand, mit all seinen palmen und einfachen holzbungalows.

ngwe hsaung solls sein, einer der drei touristisch erschlossenen straende, im suedwesten des riesigen landes. um die anreise dann doch noch etwas abenteuerlich zu gestalten, verzichten wir auf die 6 stunden kurze busfahrt ans meer und beschliessen mit dem schiff nach pathein zu schippern und dann dort auf den rollenden untersatz zu wechseln. und wir werden nicht enttaeuscht. zumindest in sachen physischer, wie auch psychischer herausforderung. die 18 stunden flussfahrt werden zu dem ereignis, welches wir wochen danach einstimmig zur groessten herausforderung der ganzen reise kueren. auch wenn wir uns die beste klasse leisten und dafuer sage und schreibe 42$ pro person hinblaettern (also mehr als ein durchschnittliches monatseinkommen eines burmesen), kriegen wir nichts weiter als eine hundehuette. inklusive deftigem und auch bei voller fahrt und geoffneter tuer nach stunden noch fuer unsere feinen riecher wahrnehmbarem duft. gestank, ok. durian, uebergebenes, verfaulte fruechte und vielleicht noch etwas abgestandener rauch dazu, doch wir sind ja seit indien so einiges gewoehnt und auch larisa scheint ihrer etwas blassen gesichtsfarbe zum trotz noch wohlgemut. und, ich staune und ziehe meine muetze, die ich nimmer trage, gar die kleinen wuermer in den fried noodles werden von ihr tapfer ignoriert; diese zur seite und der naechste happen in den hungrigen mund geschoben. die hitze jedoch setzt uns zu, und auch bei nacht will sie nicht nachlassen. wir richten uns auf einem matraetzchen ein, zu zweit, so koennen wir den tisch-ventilator optimal nutzen und uns wenigstens von den gefuehlten 45 grad auf normale koerpertemperatur abkuehlen. dumm nur, wenn das schiff wieder irgendwo anlegt, die motoren und damit die stromversorgung fuer ewig dauernde minuten ausfaellt und der gestank in der huette wegen dem mangelnden fahrtwindes wieder unertraeglich wird.

die kroenung dann gegen mitternacht, als larisa zur toilette geht, und ich im halbschlaf und -dunkel etwas durch die huette huschen zu sehen mein. es ist ordentlich gross und geschwind und ebenso bin ich hellwach. da ist sie wieder, die kakerlake. mindestens 10 cm, auch ohne die obligatorischen paar zentimeter uebertreibung, und mir wird anders. doch da ist sie auch schon wieder weg und ich tu's als dummer zufall ab; bestimmt war's ein einzelfall, das tier ist nun schon wieder in der kombuese oder beim nachbarn, durch die dem rost zuzuschreibenden loecher in den waenden, allemal kein ding der unmoeglichkeit. und doch behalt ich sie auf, die augen, will noch eine wachsame sicherheitsminute einlegen und das treiben in unserer huette beobachten. und da, tatsaechlich, verdammt, es vergeht keine minute und das naechste riesending macht sich auf den weg durch unsere kabine, zu allem ueberdruss hin eben nicht einmal durch, sondern nur in und dann direkt ueber die freie matraze hinters bett. mir wird noch etwas anders. und springe in einem satz aus der kabine. wieder halb bei sinnen erkenn ich die weitreichenden folgen, welche diese grossen kleinen tierchen provozieren koennen. in wenigen momenten wird larisa zurueckkehren. und sie mag wohl den gestank und die maden geschluckt, oder eben nicht geschluckt haben, aber diese kakerlaken werden auch ihr den rest geben. und dann droht ein schlafen auf dem deck, ein gar nicht schlafen auf deck, oder gar ein aussteigen sofort. und allen tieren zum trotz ist mein verlangen nach ruhe und etwas schlaf gross.

und da kommt sie bereits, ein notfallplan muss her; nichts sagen und cool tun also. sie mag die blassheit in meinem antlitz der muedigkeit zuschreiben, doch bei meinem kurzen zusammenzucken, als sie in die kabine steigt, wird auch sie stutzig. wieso der wohl nun auf einmal draussen sitzt? und kein wort sagt, nur seltsam dreinschaut? nun, ebendieser schweigt, weil er sich gerade ueberlegt, ob er seine geliebte dame denn einfach so ins unglueck stuerzen bzw. liegen lassen darf, oder, um eventuell noch schlimmeres zu verhindern, nun ein beherztes eingreifen angesagt waere...

die fortsetzung folgt. ehrlich.

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