Montag, 26. Mai 2008

burma (part IV)

die drei tage, die wir in inle lake verbrachten, schienen vorerst ganz gewoehnlichen tagen auf einer langen reise zu sein. doch wie sich spaeter herausstellte, hatten wir ein riesen glueck am rande einer unsaeglichen tragoedie.

einen ausflug, der sich aus keinem reiseprogramm in inle streichen laesst, ist die eintaegige bootstour auf dem see, der hauptattraktion der region. die longboats werden mit bis zu sechs passagieren gefuellt und auf geht's die schwimmenden gaerten, kloester (mit nicht mehr springenden katzen) und staedte im see besuchen. wir hatten uns schon am tag unserer ankunft entschlossen diesen ausflug zusammen mit patrick und fabian (den urkantoenlern) in angriff zu nehmen. da wir uns jedoch zuerst von den anstrengenden busfahrten erholen wollten, sollte dies erst am zweiten tag unseres aufenthalts in inle geschehen. den erst tag verbrachten wir auf dem fahrrad die umgebung erkundend. dabei erreichten wir ein dorf am seeufer, wo ein junger burmese, unglaublich hilfsbereit und gastfreundlich uns durch sein dorf fuehrte, alles erklaerte und uns sogar das im gaenzlich traditionellen stil gebaute haus (alles aus holz und auf stelzen, da das haus in der regenzeit im see steht) seiner tante zeigte. besonders beeindruckt hat uns die 'kueche'. eine offene feuerstelle mit steinen umgeben; wir fuehlten uns ins mittelalter zurueckversetzt. die fuehrung wurde schliesslich durch den besuch des dorfeigenen klosters abgerundet, wo wir mit dem verantwortlichen moench plaudern durften und sich die 9 bis 10 jaehrigen novizen wie kleine spielende hunde um uns scharten.

zurueck im hostel erfuhren wir, dass der morgige ausflug aufgrund einer 'schlechwetterfront' moeglicherweise nicht durchgefuehrt werden koennte. vermutlich wuerde es regnen. wir sollen uns aber auf jedenfall um 8 uhr zum fruehstueck einfinden, dort koenne man definitv entscheiden, ob die bootstour moeglich sei. nur vier stunden spaeter fegte nargis im sueden des landes uebers irrawaddy delta hinweg bis nach yangon, und kostete weit ueber 100'000 menschen das leben.

nun sind seit dem 2. mai schon ueber drei wochen vergangen und noch immer ueberkommt mich eine riesen traurigkeit, wenn ich mich an das leid erinnere, das diese stunden ueber burma herein gebracht haben. der schreibfluss beginnt zu stocken und die gefuehle, wie auch die gedanken sind sehr schwer zu beschreiben. ich weiss, dies ist beileibe nicht die erste tragoedie, die die welt heimsucht, doch wenn man so nahe dran war, so loest dies in einem schon ganz andere gefuehle aus, als wenn man zu hause in der warmen stube die schreckensbilder in der tagesschau sieht. verbundenheit, traurigkeit und mein ganzes mitgefuehl sind wohl die treffendsten worte, die ich hier finde.

am samstag morgen standen wir also nichts ahnend auf. zwar war es ein wenig grau und in der nacht hatte es geregnet, doch mehr war nicht zu spueren gewesen. auch unser hostelbetreiber, sagte nur etwas von einem etwas heftigeren sturm in yangon und dass der flughafen moeglicherweise gesperrt sei; was einigen im hostel ganz schoen zusetzte, da sie fuer den naechsten tag fluege in die usa gebucht hatten und deswegen unbedingt nach bangkok und taipei fliegen mussten. haetten sie in dem moment die ausmasse der katastrophe auch nur ansatzweise erahnt, waere ihnen ihr problem wohl beschaemend klein erschienen. sie konnten und durften (die regierung schaffte es, die informationen im land praktisch auf null zu halten und die wenigen zu manipulieren) es jedoch nicht wissen.

in unkenntis des vorgefallenen nahmen wir trotz schwachen regens unseren ausflug in angriff. uns wurde gesagt, morgen sei es wohl kaum besser und spaeter wuerden wir ja bereits in mandaly sein. auch unsere hoffnung auf wetterbesserung wurde schnell zunichte gemacht, um die mittagszeit setzte ein so starker regen ein, wie wir ihn in der schweiz nur von sommergewittern kennen. ein sogenannter platzregen, der aber stunden dauerte... und fuer jene unter uns, die den regenschutz am morgen trotz nachdruck meinerseits fuer gaenzlich unnoetig hielten, war der nachmittag nur noch schwer zu ertragen; die pagoden, die wir bestaunten, ueberfluessig und sogar den jumping cats verging die lust am springen. angeblich sollen sie seit zwei drei monaten krank sein, deren sechs sogar bereits verstorben.

bei der rueckkehr ins hostel wurde bestaetigt, dass der flughafen yangon geschlossen sei. wir erkundigten uns, ob denn jemand zu schaden gekommen sei und es war von moeglicherweise einigen verletzten die rede. die telefonleitungen in yangon waren alle tot. eine kommunikation mit der hauptstadt unmoeglich. am naechsten tag hoerten man sagen, vielleicht 200 tote. aber niemand war beunruhigt, es schien sich um ein kleines unwetter gehandelt zu haben, dass einige unglueckliche das leben gekostet hatte und den flughafen voruebergehend lahm legte.

von den wahren ausmassen der katasprophe erfuhren wir erst zwei tage spaeter in mandaly. die zahl der angeblichen todesopfer stieg von minute zu minute, die einzige informationsquelle das staatliche fernsehen, dass wir mehr schlecht als recht empfingen und zum glueck ein asiatischer informationssender im stile von cnn.

Keine Kommentare: