Montag, 11. August 2008

von sulawesi. und anderen inseln. part II.

ok. zweiter versuch.
ein paar wochen sind inzwischen schon vergangen, doch die anschliessende fahrt von toli-toli, dem verschlafenen fischerdorf an der westseite des noerdlichen arms der insel sulawesi, nach gorontalo bleibt unvergessen. waeren die vorzeichen anders herum, so koennt sich der david stolz und zufrieden zuruecklehnen, in den bequemen, wenn auch etwas instabilen bambussessel, in welchem er gerade sitzt, und sich ob der idee bruesten, den shortcut nach sulawesi auf dem land- und wasserwege zu bevorzugen. doch nun nippt er nervoes an seiner bereits geleerten colaflasche, sitzt vornuebergebeugt in diesem missratenen stuhl und ueberlegt sich, wie er sich moeglichst elegant aus der affaere ziehen kann.
es gibt kein pardon, die fahrt gehoert mitunter zu den schlimmsten, welche wir auf der reise hinter uns gebracht haben.
ok. es war die schlimmste.
mit abstand.
es braucht so einiges, bis larisa den fahrer anherrscht nun endlich mal anzuhalten, vorallem mit solch ausgewaehlten worten ('i need to piss'). und der david, sonst sparsam und gut einteilend, seinen biskuit vorrat bereits stunden vor der ankunft verdrueckt hat. und zur not auf geborgte zigaretten zurueckgreift. was es dazu braucht? nicht viel. ein auf hochglanz poliertes, unverbeultes und scheinbar geraeumiges auto. zwei fahrer, fuenf passagiere und deren gepaeck. drei musiktapes ( 2x schnulze auf indonesisch, 1x happytrance) und mindestens zwei pack zigaretten pro fahrer. kretek zigaretten, versteht sich. ein paar berge zwischen dem start- und zielort, welche auf der luftlinie kaum 200 kilometer auseinander liegen, viel urwald, schlechte strassen, regen und in folge dessen, erdrutsche, und, wichtig, ein spuddergreis.
mit enkel und enkelin.
der anfang (16:00), und ich will mich kurz fassen: vergnuegt, zuvorkommend, interessiert. eindruecklich, die landschaft, nassglaenzend vom kurz zuvor niedergegangenen regen, das gruen der reisfelder, der palmen, der strasse. und, oi, die ist gar nicht mal so schlecht. ein paar schlagloecher hin und wieder, etwas schmal vielleicht, aber sonst akzeptabel. die passagiere freundlich, der grosspapa alt und etwas gebrechlich, dafuer der junge und das juengere maedchen umso agiler. es dunkelt (18:00) und die landschaftliche kulisse beeindruckt aufs neue. inzwischen sind wir umgeben von bergen, gruenen, in diesen landen, und die bislang gerade strasse nimmt etwas geschwungenere formen an. wenig spaeter dringt der duft von herdfeuern ins auto, es ist essenszeit, und wo kein strom, da erhellen einfache kerzen die bescheidenen haeuschen. im meinem kopf, da wird gerechnet, geschaetzt und gemutmasst; wie lange diese reise wohl noch dauern wird, welche der beiden moeglichen routen wir gewaehlt haben und welche der aufgeschnappten ankunftszeiten wohl zutrifft. die auswahl und spanne ist nicht unbescheiden: 04:00, 6:00, gar 7:00.
das glucksen und aufstossen, welches vorerst nur sporadisch aus dem hinteren teil des wagens zu vernehmen ist, wird regelmaessig. deren quelle, der greis, zuckt und beugt sich vornueber, ein saecklein, von seiner zittringen hand meist vor seinen mund gehalten, faengt auf. ich schaue besorgt, erst zum greis, dann zu larisa. ihre angst vor dem erbrechen macht mir fast noch mehr sorgen. der enkel winkt ab, keine sorge, so seine geste, und klopft weiter, fein und fuersorglich, auf den ruecken seines grossvaters. nach dem fuenften, zehnten, xten mal realisier ich, dass er nicht erbricht, sondern einem wohl tief in seinen lungen ausgeloesten reiz nachgibt. und dabei auch so manches ausscheidet. das glucksende, verschluckende und darauffolgend ruelpsende geraeusch klingt ungesund und der duft ist nicht minder unangenehm.

nach einer essenspause, sitzplatzwechsel (larisa verteidigt ihren front aka luxusplatz vehement) und einem stau auf der urwald-bergpasspiste infolge eines erdrutsches sind gegen mitternacht die ersten lichter der zivilisation zu sehen. fern und schwach zwar, aber immerhin. nach meinen berechnungen haben wir nun den auslaeufer der insel ueberquert, von nord nach sued, und sollten der suedkueste entlang in richtung der schon nicht mehr so fernen stadt gorontalo fahren. auch dem gesichtsausdruck des fahrers, vorallem aber seiner halsbrecherischen fahrweise mein ich so etwas wie dir vorfreude auf die zieleinfahrt erkennen zu koennen. wir fliegen mit 100, 120 der schmalen strasse entlang, keine markierungen, absperrungen, strassenlampen, nur das fahle mondlicht, welches die baeume, huegel und haeuser gespenstisch erhellt... es scheint, wir befinden uns in einem realistisch gestalteten computerspiel (welches die grafikkarte allerdings heftig zum schwitzen bringt) und der aktor ist auf bestem wege, den ersten rang in der highscore fuer sich beanspruchen zu wollen. er wirds nicht tun.

es kann sich nur noch um minuten handeln.

einige aufstosser, so manche zigaretten und erfolglose schlafversuche spaeter (02:00), das erste highlight. der junge wird ausgeladen. er hats geschafft und wir haben etwas mehr raum. inzwischen entdeck ich wahrhaftig und spuckefrisch an meiner wade, dass der spuddergreis wohl nicht mehr so treffsicher ist. ich ekel mich und wuerds am liebsten der larisa erzaehlen, doch (einmal mehr, man erinnere sich an die bootsfahrt inna burma) fuerchte ich, sie wird das auto umgehend zum stillstand bringen und verlassen. wo auch immer wir sind. es bleibt mir also nicht viel mehr uebrig, als den schleim mit einem ergatterten tuchzipfel abzuwischen. und mich noch etwas fester ans fenster zu druecken.

um 04:00 sind sie beide ausgestiegen, der greis und seine enkelin, und die luft verbessert sich schlagartig. doch gorontalo ist ueberfaellig, die letzten biskuits sind verspiesen und die fahrer wechseln inzwischen im halbstundentakt. der muedigkeit wegen.

es daemmert, das kann doch nicht sein. immer zeigt der wegweiser gorontalo an, schon ein dutzendmal meint ich uns endlich am ziel bei der einfahrt in eine neue dorfstadt. doch immer wieder werd ich enttaeuscht. die frage, wie lange es denn verdammt einmal noch dauert, wird mit 'jes, jes, gorontalo' beantwortet. wir sind fix und fertig. der greis, die strassen, die fahrweise, die muedigkeit, der hunger, die lautstaerke der musik...

um acht uhr, das leben in den doerfern ist laengst erwacht, die schulkinder sind in ihren uniformen unterwegs und die marktstaende belebt, da wird es urbaner. wir getrauen uns gar nicht mehr daran zu glauben. es wird sowieso nicht gorontalo (inzwischen koennen wir den namen auch schon korrekt aussprechen) sein. und, richtig... noch immer nicht.

zwei bleiche aliens, flach ausgebreitet ueber die spudderfreien sitze, taub in den ohren (ja, sie kennen sie schon alle, die 30 min musiktapes. auswendig.) und der wahrnehmung, trauen ihren augen nicht, als sie einem grossen boulevard entlang fahren und den namen des von ihnen gewuenschten hotels erkennen. es ist 9:30 uhr. mehr als 17 stunden sind seit der abfahrt vergangen.
wir buchen uns fuer zwei naechte ins hotel ein, kaufen uns eine flasche wasser und noch ein paar biscuits und begeben uns dort hin, wovon wir schon immer (und auch wenn immer in diesem zusammenhang nur einen nacht ist) getraeumt haben... ins bett.

die weiterfahrt nach manado dauert nur 10 stunden und erscheint beinahe kurz und angenehm, danke an den fehlenden greis, geteerte strassen, tageslicht und einen etwas moderateren piloten.

und noch so manches haben wir in den folgenden wochen in indonesien erlebt. vorwiegend positives. entgegen unserer erwartungen haben uns die inseln borneo, sulawesi und bali sehr eingenommen und die menschen mit ihrer froehlichkeit und ihrem charme verwoehnt und begeistert. egal ob muslim (aka pinguin, wie von manchen locals genannt), christ, hindu oder auch animist.
bunaken, die insel vor manado im norden sulawesis gefaellt mit ihren traumhaften riffen, den schoenen sonnenuntergaengen und dem langweiligen und anschaulichen leben der bewohner.
das lange zeit von den einfluessen der zivilisation geschuetzte tal tana toraja fuehrt einen lebensecht und unverbluemt in die lebensweisen der einheimischen ein. da werden noch immer traditionelle haeuser mit ihren 'boots'-daechern gebaut (der legende nach sind die ersten einwohner des tals mit solchen booten den fluss hoch gekommen), da wird noch immer ein leben lang gespart, um beim tode ein wuerdiges, buntes fest feiern zu koennen. dabei werden lebende bueffel und schweine geopfert; je mehr, desto besser. da werden die toten in baeume, steine oder felsen vergraben und deren skelette jahre spaeter in hoehlen umgesiedelt.
makassar, die groesste stadt sulawesis, im suedlichen zipfel, verstroehmt den duft einer metropole. ok, einer asiatischen. mit abwasserkanaelen, abfall und marktstaenden fuer allerlei. aber dennoch interessant und, oh, mit einer handvoll japanischen restaurants, in welchen sich herrlich frischen fisch geniessen laesst.

bali ist schlicht ein paradies. entgegen aller cliches (kitsch, nur fuer honeymooner, teuer). mich laesst die insel einen ganzen monat nicht mehr ziehen. und auch larisa stimmt ein, hier die angenehmsten (gepampertsten, woher kenn ich das nur?) und schoensten tage zu verbringen. das mag unter anderem an unserer 3 zimmer villa mit veranda, jacuzzi und kleinem garten liegen, aber bestimmt auch an der offen- und herzlichkeit der balinesen. und vielleicht auch an deren tiefen religiositaet. gar fuer das haustier, egal ob hund, katze oder hamster, wird taeglich ein opfer erbracht. inklusive rauecherstaebchen und blumenkranz.


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